Florian Berg darf nicht sterben…

 

Florian Berg ist sterblich, denn Menschen sind sterblich und wenn man davon überzeugt ist, dass Florian ein Mensch ist, muss auch Florian sterblich sein. Logisch! Das auch und vor allem Logik, die studiert er, und die kommt so ganz ohne Emotionen aus, man glaubt fast, er auch.

Der junge Protagonist in Janko Marklein Erstling “Florian Berg ist sterblich” ist ein kauziger Digital Native, dessen Gehirn nur 1 und 0 kennt. Das Decodieren von komplexeren Informationseinheiten führt bei ihm zu einem fatalen Blue Screen of Death .

Und doch, dieser Kerl überlebt ganz ohne eigene Meinung und Moral, mit einer Vorliebe für Harry Potter und Tierdokumentationen, gerne kombiniert mit ausgiebigsten Onanierdurchgängen.

Florian passiert sein Leben, Menschenbillard sozusagen. Das stille Bürschchen ist die Kugel, seine Mitmenschen sind die Queues, er folgt jedem Impuls und lässt sich treiben.

Watzlawik sagte mal, man kann nicht nicht kommunizieren, ich bin mir sicher hätte er Florian gekannt, hätte er die These noch mal überdacht.

Der wortkarge Held des Romans gehört sicherlich nicht zu den lebendigsten Zeitgenossen, vielleicht gerade deshalb zieht er die Mitteilungswütigen an. Wer schweigt stimmt zu und wer zustimmt, der hat das Plappermäulchen lieb. So einfach ist das.

Wie er nun vor unseren Augen so durch sein Leben schlurft, von Wuhlsbüttel, einem kleinen Kaff im Bremer Land, mit nichts als Forellenteichen und Milchwirtschaftsbetrieben, die kleine sadistische Diktatoren als Hoferben haben, über das Philosophische Institut der Uni Leipzig mit ihren sexuell imperialistischen Sozialwissenschaftlerinnen, das erfreut schon das sarkastische Gemüt.

Bis ans andere Ende der Welt nach Santiago de Chile treibt es ihn. Erst hier,  über in fettschwimmenden Kartoffelstäbchen, gelingt es ihm, das kaum noch zu Erwartende, freiwillig lässt er vor einer Chilenin und Hund die emotionale Hose runter. Was haben wir gelacht!

Florian ist ein Freak, eine Pussy, ein echter Weirdo und doch manches Mal fühlen wir uns wie ertappt.

Denn: Menschen sind sonderlich, ich bin ein Mensch, ich bin sonderlich??!

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