Rezension zu: DER KREUZWEG – EIN NÜRNBERG KRIMI von Gunnar Schubert

 

“Der Kriminalroman handelt in sowohl typologisierter als auch ‘freien’ Erzählmustern von Verbrechen und deren Aufklärung.”, definiert laut Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft.

Die Inhaltsangabe des Verlages verspricht:

“Ein mysteriöses Artefakt bringt den Nürnberger Abenteurer Paul Skamper auf die Spur der Heiligen Lanze, einer der bedeutendsten Reliquien der Christenheit. Er und sein Mitstreiter Lucius Brand suchen nach der Kultstätte, in der die Nazis die Heilige Lanze versteckt haben. Doch dann ist Brand tot und Skamper steht unter Mordverdacht. Zu allem Überfluss verfolgt ihn eine obskure Nazisekte, die die Lanze ebenfalls in die Finger bekommen möchte.

Zwei Zeitebenen im erzählerischen Wechsel vorgetragen, 2012 und 1944, drei Erzählstränge, die der Autor geschickt miteinander verflechtet.

Zu den Figuren:
Der Protagonist, Paul Stamper, ein Abenteurer in seinen mittleren Jahren, Ex-Mann und Ex-Angehöriger einer Spezialeinheit der Bundeswehr. Ein verbissener Eisenbeißer, der vom großen Coup seines Lebens träumt und derweil gleich dort arbeitet, wo er eh die meiste Zeit verbringt, im verwanztesten Fitnessstudio Nürnbergs. Von einem Trip in Südamerika hat er einen äußerlich eher unscheinbaren Stein mitgebracht, ein Artefakt, das ihm nicht das erhoffte Vermögen, dafür aber haluzinogene Wahnvorstellungen eingebracht hat.

Den Stein der Geschichte ins abenteuerliche Rollen bringt der geheimnisvolle Lucius Brand, auch er ein Schatzsucher, im Besitz des Pendantsteins, die beide zusammen magische Kräfte entwickeln und den Weg zum Versteck eines in der Verschwörungstheoretiker-Gerüchteküche hoch gehandelten Nazi-Schatzes weisen sollen. Brand stolpert über seine eigene Gier, was zur Folge hat, das Stamper  von nun an von der Polizei wegen Mordes und von der obskuren Nazisekte “Schwarze Sonne”, ob seines Steines und seines geheimen Wissens gejagt wird.

Weitere Figuren sind Schroeder, ein Jugendfreund und ein vor kurzem an der Karriereleiter gestolperter Polizist, der die Beziehungskurve gerade noch mal so eben bekommen hat und seit dem fast pathologische Begeisterung für Ausdauersport entwickelt hat. Frau Meyer, Schroeders frisch geschiedene, flirtaffine Kollegin mit dem Hausfrauenhabitus und dem Charme eines Bulldozers. Annabel, eine Freundin seiner Tochter, entweder mit Vaterkomplex oder nur besonderem Männergeschmack ausgestattet. Mike, ein Ex-US-Soldat mit Afghanistanerfahrung, ein Kollege aus dem Fitnessstudio

Der Protagonist des älteren Erzählstranges ist Fischer. Dieser gehört zu den Bergarbeitern unter Schäffler, einem Kunstsachverständigen, der im Auftrag des esoterisch veranlagten Himmlers einen unterirdischen Lagerort für dessen erbeuteten Reliquienschätze baut. Unter diesen soll sich ein höchst begehrtes, ob seiner DNA Spuren, wundersames Kriegsinstrument aus dem 1. Jh. n. Christi Geburt befinden. Fischer, gebürtiger, dann abgefallener und von der Lanze selbst bekehrter Katholik, versucht dieses von höchster Stelle beauftragte Unternehmen zu unterlaufen.

Der dritte Strang ist ein Briefwechsel zwischen einem Richard und einer jungen Frau namens Eva, die weder antwortet, noch  zu den Verabredungen erscheint.

Von der Grundidee hätte das einen Regionalkrimi mit historischem Bezug geben können, aber nein, der Autor wollte mehr, viel mehr!

Nichts gegen die Möglichkeit die Genregrenzen auszudehnen, mit ihnen zu spielen, das triviale Grundmuster von “das Durcheinander der Wirklichkeit wird durch detektivische Vernunft besiegt” ( J. Jessen ) erweitern. Gerne! Vom gesellschaftlichen Sittenbild à la R. Chandler bis zur psychologischen Innensicht des Täters der Großmeisterin P. Highsmith, ich bin dabei!

Das Mehr hier, war eher ein Comic gleiches: “Bang”, “Boom” und “Craaash”. Da hat jemand aber richtig rausgehauen: Wenn schon ‘ne christliche Reliquie, dann gleich die mittelalterliche Wundergläubigkeit dazu, wenn schon Abenteurer, dann doch bitte auch nicht irgendein Wünschelrutengänger, dann der uneheliche Sohn von Mc Gyver und Indiana Jones, wenn schon christliches Abendland, dann auch mit Blut und Erweckungserlebnis, wenn schon deutsche Wertarbeit, dann auch noch nach 70 Jahren, auch ohne jeden Wartungsvertrag.

Ich wollte nicht das abenteuerlichste Ferienerlebnis eines Achtjährigen, ich wollte doch nur einen Krimi!

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