Rezension zu: Totenfrau von Bernhard Aichner

Inhaltsangabe laut Verlag:

Bei einer Exhumierung auf einem Innsbrucker Friedhof werden in einem Sarg zwei Köpfe und vier Beine gefunden. Schnell wird klar, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss, dass hier die Leichenteile eines vor einem Jahr spurlos verschwundenen Schauspielers liegen. Nur eine Person kommt als Täterin in Frage: die Bestatterin, die die Verstorbene damals versorgt und eingebettet hat. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Brünhilde Blum den Schauspieler getötet hat. Doch die ist wie vom Erdboden verschluckt …

Rezension:

Es hätte alles so schön sein können, zuerst mal der erhoffte Anstieg der Sinuskurve, ein kleines Stolpern, ba bam, ba ba bam, ba bam, dazu eklig, pickeligen goosebumps den ganzen Arm entlang, gefolgt von einem unbemerkten Ziehen und Zerren an der bald blutigen Nagelhaut.

So oder so ähnlich hätte meine Reaktion auf den neuen, in Vorschusslorbeeren ersoffenen, Thriller von Bernhard Eichner aussehen sollen. Aber nix davon ist passiert: mein Herz schlägt meditativ gestimmt, wie das einer buddhistischen Nonne, meine Arme butterzart, wie ein Babypopo und meine Nägel? Bar jeden nervösen Gemetzels!

Auf den 413 nie enden wollenden Seiten des neuen Thrillers “Totenhaus” von Bernhard Aichner bin ich weder mitgerissen, gefesselt, noch erschauert worden, wie es das Genre aber doch verspricht. Stattdessen: Langeweile! Selbst Ölfarbe beim Trocknen zuzusehen, erschien mir eine erstrebenswerte Alternative.

Der Plot, ein elendiges, windschiefes Debakel, als wäre er bei einem “Ich packe meiner Koffer…”-Durchlauf unter vorgeglühten Teenies entstanden. Die Figuren nicht minder abwegig. Die Protagonistin, die Bestatterin Blum, scheint mit allem im Pschyrembel unter Pso und Pt aufgeführten Erkrankungen ausgestattet zu sein. Den Versuch des literarischen Dr. Frankenstein einen österreichischer Hybriden aller je die Filmleinwand betretenen Coen & Tarantino Figuren zu erschaffen, halte ich für gescheitert. Hätte der Autor sich nun darauf beschränkt, uns durch die Erzählerstimme ihr Agieren zu beschreiben, dann vielleicht, aber auch nur vielleicht, wäre alles noch wenigstens mittelprächtig geworden. Doch die allwissende ist eine äußerst sendungsbedürftige Sadistin und dazu noch Blums Synapsenverkopplung äußerst agil, wenn auch wenig Geistreiches dabei herauskommt. Eine sehr, sehr schlechte Kombi für den auf Hochspannung konditionierten Leser.

Die oft kritisierte, temporeiche, bildhafte Sprache auch kein Segen, weil sie nur vorgibt mit ihren kurzen Sätzen dem Elend schnell ein Ende zu machen. Dumm nur, dass auch in einem rasenden TGV 4 Stunden sich wie 240 Minuten anfühlen und in einem Thriller 413 Seiten Langeweile wie 413 Seiten Horror.

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