Hintergrundinfo zu: ROSIE UND DIE SUFFRAGETTEN von Katharina Müller

Women‘ Social and Political Union (WSPU)

Emmeline Pankhurst, die 1858 geborene Tochter eines erfolgreichen, liberalen Geschäftsmannes aus Manchester und einer engagierten Feministin der Stimmrechtsbewegung. Schon mit 1872 nimmt sie mit ihrer Mutter an ihrer ersten Frauenstimmrechtsbewegung teil. Ihre Ausbildung erhält sie in Paris und heiratet nach ihrer Rückkehr den 25 Jahre älteren Rechtsanwalt und Liberalen Richard Pankhurst, der sich zusammen mit dem Philosophen und Ökonomen Stuart Mill für das Frauenwahlrecht im Parlament einsetzt. Mill 1866 mit folgender Begründung:„Frauen bedürfen der politischen Rechte nicht, um regieren zu können, sondern um vor Missregierung geschützt zu sein“

Sie haben fünf gemeinsame Kinder, von denen vier noch am Leben sind als ihr Mann 1898 stirbt. Die beiden älteren Töchter Christabel (1880-1928), eine Juristin und die spätere Biographin ihrer Mutter, und Sylvia () eine Künstlerin und engagieren sich wie sie in der Frauenbewegung, der National Union of Woman’s Suffrage Societies (NUWSS), einem Zusammenschluss verschiedener auf regionaler Ebene arbeitender Verbände, die Lobbyarbeit betrieben, um Abgeordnete und die britische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, auch Frauen das Wahlrecht zuzugestehen.

1903 gründen mehrere Frauen in Manchester unter ihnen Emmeline und ihre Tochter Christabel die Women’s Social and Political Union (WSPU), die mit ihren radikalen Forderungen und medienwirksamen Aktionen auf sich aufmerksam machen.

1905 kommen die Liberalen an die Macht.

1905 scheiterte der Versuch das Frauenwahlrecht im Parlament durchzusetzen. Die WSPU radikalisierte sich daraufhin langsam, „Worte was zum Austritt einiger Frauenrechtlerinnen, die den politischen Weg weitergehen wollten, führte. Andererseits verschaffte es ihnen Zulauf von den Frauen, deren Geduld auf die Einsicht des Parlaments zu hoffen, bröckelte.

1906 zieht Emmeline Pankhurst mit ihrer Familie nach London und das Hauptbüro der WSPU mit ihr.

1906 werden sie erstmals in einem Artikel der „Daily Mail“ als Suffragetten bezeichnet. Als Erkennungsfarben für ihre Kleidung wählen sie Violett, für die Würde, Weiß, für die Unschuld, und Grün für die Hoffnung auf einen Neubeginn. Es gibt Ansteckbroschen, Kravatten und Hüte.

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Die Komponistin Ethel Smith (1858-1944), eine enge Freundin von emmeline komponiert die Hymne der Bewegung, den March of the Women.

 

Emmeline Pankhurst hat gemeinsam mit ihren Töchtern Protestformen des gewaltlosen Widerstandes entwickelt, die ihnen die mediale Aufmerksamkeit brachte, um ihren Kampf für das Frauenstimmrecht voranzutreiben und ins öffentliche Bewusstsein rückte. Das Anketten an öffentliche Gebäude wie dem Parlament mit einem breiten Ledergurt unter ihrer Kleidung und dicken Metallketten.

1906 wird die Tribüne des Unterhauses wegen Krawalles der dort sitzenden Suffragetten geräumt, wobei diese sich nur der in England in einer politischen Diskussion üblichen Mittel der Zwischenrufe und der Satzbeeendigungen des politischen Gegners bedienen.

Im Juni 1908 kommt es im Londoner Hyde Park bei Demonstrationen von 25ooo Suffragetten zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Frauen wurden wegen Störung der Öffentlichen Ordnung verurteilt, da sie sich weigerten die Geldstrafe zu bezahlen, wurden sie ins Londoner Frauengefängnis Holloway gebracht.

Auch Emmeline und ihre Töchter wurden mehrmals festgenommen und leisteten mehrere Gefängnisstrafen ab. Als immer mehr Mitstreiterinnen verhaftet wurden, reagierten Mitglieder der Women’s Social and Political Union mit Hungerstreiks.
Die Justiz beantwortete die Hungerstreiks wiederum mit Zwangsernährung, dabei wurden die Frauen auf einem Stuhl festgehalten, ihr Mund aufgehebelt, ein langer Plastikschlauch durch die Speiseröhre bis zum Magen geführt und wenn dies nicht möglich war per Schlauch durch die Nase.

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Die Öffentlichkeit war weiterhin gespalten, in den Boulevardzeitungen wurden Anzeigen mit Aufrufen wie „Lasst sie hungern!“geschalten, aber es gab auch immer mehr Abgeordnete, die empört über dieses brutale Vorgehen der Liberalen Reagierung waren.

1909 warf die junge Suffragette Muriell Matters Flugblätter aus einem Heißluftballon über Westminster ab.

1911 initierten sie einen Zensusboykott, die Frauen sollten an diesen Abend ausgehen, um zur Volkszählung nicht zu Hause angetroffen zu werden. „If women don’t count, neither shall they be counted.“ Emely Davidson versteckte sie sich in einem Besenschrank im Parlament.

Ab 1912 waren die Proteste zunehmend von Gewalt geprägt, mit kleinen in  Handtasche oder Muffs versteckten Hämmern wurden strassenweise Schaufenster eingeschlagen, Briefkästen mit Bomben gesprengt, Häuser von Abgeordneten und Kirchen, z.B. die St. Catherines Church, angezündet.

Im Oktober 1912 wirft Christabel des bisherigen Verantwortlichen des Magazines Votes for Women aus der WSPU, weil diese Kritik an den immer radikaleren Machtdemonstrationen der Suffragetten geäußert hatten. Sie waren für die Fensterzerstörung für 9 Monate inhaftiert worden, während Christabel sich der Haft durch ihre Flucht nach Frankreich entzogen hatte. Da sie den Einfluss auf das Magazin damit auch verloren hatte, gründet sie das WSPU Sprachrohr „Suffragette“.

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Um den negativen Reaktionen auf die Zwangsernährung der inhaftierten Suffragetten etwas entgegenzusetzen, entließ man geschwächte Suffrageten, um sie, wenn es ihnen gesundheitlich besser ging, erneut für die Reststrafe zu inhaftieren. Dafür wurde eigens 1913 das „Prisoners‘ Temporary Discharge for Ill-Health“ Gesetz erlassen. Im Volksmund wurde es „Cats and Mice Act“ genannt.

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Am 19. Februar 1913 zündeten Frauenrechtlerinnen das Landschloss der Witwe des Generals Sir George White Trevethan bei Staines in der englischen Grafschaft Surrey an und  versuchten Haus des britischen Schatzkanzlers David Lloyd George, ein Liberaler, der seine Worte Pro-Frauenwahlrecht im Parlament keine Taten folgen ließ, und späteren Premierministers mit einem Bombenattentat zu zerstören.

Einem Flashmob gleich zerschlugen 150 Suffragetten im März 1913  zeitgleich die Fensterscheiben von zig Geschäften in den verschiedensten Stadtteilen Londons.

Der Suffragette Emely Davidson, die auch vor radikaleren Methoden nicht zurückschreckte, gelang es beim berühmten Epson Derby im Juni 1913 sich durch die Absperrung zu , um auf die Rennstrecke zu laufen. An diesem Rennen, an dem  an dem alle Gesellschaftsschichtensowie drei Kamerateams teilnahmen, versuchte sie, in Anwesenheit von König Georg V. und dessen Frau, möglicherweise nur, dessen gerade vorbei galoppierenden Pferd den Schal der Suffragetten Bewegung um zulegen. Sie wurde dabei lebensgefährlich verletzt und starb vier Tage später ohne wieder das Bewusstsein erlangt zu haben. Eine Märtyrerin der Bewegung war geboren.

http://http://www.theguardian.com/world/video/2013/jun/01/suffragette-emily-davison-knocked-down-kings-horse-video

Die Prozession zu ihrer Beerdigung am 14. Juni 1913 wurde von der WSPU organisiert  und instrumentalisiert. 6000 Suffrageten in weißer Kleidung und den Symbolen der Bewegung geschmückt fogten dem Sarg, während zehntausende Menschen an den Straßen standen.

Der Kampf ging weiter, im Dezember des selben Jahres versuchten die Frauen das London Holloway Frauengefängnis in die Luft zu sprengen, in dem sie nach einer Verurteilung einsitzen mussten, doch nur ein paar Scheiben wurden zerstört.

Mit dem Eintritt Englands in den 1. WK  am 4. August 1914 kam es zu einer Absprache zwischen Regierung und WSPU, die Regierung entließ die inhaftierten Suffragen und die WSPU versprach auf radikales Vorgehen einzustellen. Die WSPU mobilisierte ihre Mitglieder zur Unterstützung des Staates gegen Deutschland – es markierte das Ende der radikalen Suffragettenbewegung.

Im Oktober 1915 wurde der Name des WSPU Magazins in „Britannia“ umbenannt. Emmeline Pankhurst Slogan lautete nun: „For King, For Country, for Freedom.“ Sie gingen sogar so weit in ihrem Patriotismus Anti-Kriegsgegnerinnen vehement anzugreifen z.B. „more German than the Germans“.

Mit dem Endes des Krieges, mit dem auch die alte Ordnung untergegangen war, wurde 1918 das eingeschränkte Wahlrecht für Frauen ab 30 Jahren eingeführt, doch erst ab 1928 waren Wählerinnen in Großbritannien den Männern völlig gleichgestellt.

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