Rauschhaft im Revier oder der Angstschweiß des Sargschläfers unter sich auftürmender Erde

Ein Graf Zahl gleicher Rasputin mit namentlicher Verbindung zur letzten russischen Zarenfamilie und der magischer Bühnenpräsenz eines Houdini,  und der sich, nach dem ihm das einmaligem Entgleiten eines Holzscheitel-Instruments die liebreizende Assistentin geraubt hat, mit der kleineren Bühne einer Dortmunder Detektivagentur zufrieden gibt. Romanov betreut zusammen mit seinem Partner, und ehemaligen Mitpatienten auf der Traumstation der örtlichen Nervenheilanstalt, Borg, dem durch ein klaustrophobisches Kindheitserlebnis das Riechorgan und die innere Ruhe abgängig ist, Kriminalfälle aller Art. Dieses begnadete Duo der Gegensätzlichkeiten, wie einst Danny Wilde und Lord Sinclair, lösen ihre Fälle mit Romanovs Oscar verdächtigem Taschenspielertricks und Borgs MacGyver Fähigkeiten und Polizeidiennsterfahrungen.

Wobei die meisten Kunden mit Anzeigen der Art entlaufender Edelkatzen, vagabundierender Wellensittiche oder streunender Shih Tzus an ihre Detektei, mit dem klangvollen Namen Mystica, herantreten. Da ein solches Klientel zwar aller Ehren wert, aber nicht unbedingt einkommenserhöhend wirkt, sind die beiden privaten Streiter für das Gute geldtechnisch so unterversorgt, dass einige Mietzahlungen für die Agenturzentrale, Borgs Privatwohnung, ausstehen.

Dies führt zur penetranten Belagerung durch eine Else Kling Reinkarnation mit Namen Zenker. Jene ältere Dame, Hausmeisterin laut Vertrag, ist stets in bekanntermaßen groß geblümter Arbeitskleidung, knielang, ärmellos mit mittlerer Knopfleiste zu schließen und gerne Kopftuch aus nicht-religiösen Gründen Hausflur anzutreffen. Sie mit Berufung zu höherem, der totalen Kontrolle aller Bewohner, bewacht mit Argusaugen die Wohnungstür der säumigen Schuldner wie einst Kerberos den Hades.

Deshalb können die beiden Anti-Helden des Romans es gar nicht fassen, dass der broilerbraune, Goldkettchen auf Brusttoupet tragende Neukunde, Nessinger im roten Mercedes vorfährt und sie auf ein Kryptotierchen nebst seines abgetauchten Anbieters Herrn Gülnaz ansetzt. Das sie sich dafür mit ihrem Dienstfahrzeug, einem Leichenwagen, in einen Teil Dortmunds wagen müssen, der „Ein weißer Fleck auf der Karte des Bo-Frost Mannes.“ ist, kann die beiden Verwegenen nicht Schrecken. In der vorrangig türkisch und mit Fremden schon gar nicht kommunizierenden Nachbarschaft erweisen sich die angetroffenen Gesprächspartner als eher semi-kooperativ. Doch die zwei Kämpfer für Gerechtigkeit geben nicht auf, komme was, Designerbeerdigungsinstitute, Tigeraußengehege, menschlich verzierte Hakenkreuze, oder wer, ein meergrünäugiges Medium im Körper einer Woodstockbraut, Minarettlobbyisten und Hitlers Schäferhund, da wolle.

Natürlich gibt es auch Genre gerecht Mord und fast-Totschlag, Verfolgungsfahrten und -jagden, Einbrüche und Ausbrüche, Abhör- und Ablenkungsmanöver, Entführungen und minimalst-Verführungen, um ein Wort des Erzählers umzuwandeln, all die Krimizutaten “köcheln in einem Hochdruckkochtopf” dem der Leser den Deckel wegnimmt.

Auch wenn Romanov zwischenzeitlich “…röchelt wie das Beatmungsgerät von Darth Vader.” und der Kühlschrankinhalt ihn Villeroy und Boch buchstabieren lässt oder Borg Erfahrungen macht, ”… die den Höllenwächtern der Schockstarre die Gedärme auf links krempelt.“ und er sich unwillentlich ein kleines bisschen verliebt, ihren Auftrag erledigen die Mystica Detektive ganz exoterisch, also allgemein verständlich, auch noch.

Dieser Roman ist das famose Potpourri eines surrealen Gedankenfeuerwerkers, das jeden LSD Trip auf einer Langzeitachterbahnfahrt wie eine läppische Aspirinüberdosierung aussehen lässt.

Hier muss keiner mehr zu Timothy Leary beten, einfach das Buch lesen, mehr Rausch geht nicht!

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