Rezension zu: Baumkiller von Werner Färber erschienen im Gmeiner Verlag

Der Mörder ist nur manchmal der Gärtner…

Die freiberufliche Webdesignerin und Umweltaktivistin Lea Martens, relativ frisch getrennt von ihrem Ex-Freund Yannick, in der “Wir halten noch Abstand”-Phase,  ist überrascht als er sie eines Morgens aus dem Bett telefoniert. Ziemlich angeschlagen erzählt er ihr, dass ihm soeben die Polizei mitgeteilt hat, dass sein Freund Hanno, sein derzeitiger Mitbewohner und einer von drei Teilhabern der gemeinsamen Landschaftsgärtnerei, erhängt in einem Baum des Altonaer Hauptfriedhofs entdeckt worden ist. Vermutete Todesursache: Selbstmord.

Aufgewühlt wie Lea nach dem Telefonat ist, recherchiert sie im Netz, wo sie ein nicht-anonymisiertes Fundortphoto von Hanno findet. Nach dem ersten Schock, schaut sie es sich mit professionellem Blick näher an. Da ihr Yannick selbst das Klettern in hohen Bäumen beigebracht hat und sie immer wieder auf die penibel einzuhaltenden Sicherheitsvorkehrungen hingewiesen hat, stößt sie auf einige  Ungereimtheiten. Sie beschließt zur Selbstberuhigung sich den Fundort in der Realität näher anzusehen. Dort lernt sie fast aus Versehen den Friedhofsgärtner kennen, der die Leiche gefunden und dann mit seinem Handy für eventuell interessierte Leser eine Hamburger Boulevarzeitung festgehalten hat.

Noch am selben Abend bei einer verabredeten Kochsession in Yannicks Wohnung, die von zwei Beamten der Polizei, einer davon nicht unattraktiv wie Lea feststellen muss, unterbrochen wird, die noch ein paar Fragen auch zum seit längeren am finanziellen Aus lavierenden Unternehmen der drei Freunde haben. Als sie sich nach Yannicks Alibi erkundigen, gibt der an Lea hätte die letzte Nacht bei ihm verbracht, was die, trotz ihrer eigenen erfahrungsbedingten Vorbehalte gegen die Staatsmacht ihm übel nimmt und deshalb gleich nach dem Abrücken der Beamten wutschnaubend von dannen zieht.

Doch der Fall lässt sie nicht los, sie versucht weiter offene Fragen zu klären und als aus dem Selbstmord ganz offiziell ein Mord wird, ist Lea fast wider eigenes Zutun zur Teilzeitermittlerin geworden. Was sie zu ihrer Freude zu einem regelmäßigen persönlichen Austausch mit Lennart, dem zuständigen Beamten führt.

Ein wirklich spannender Plot, die Erzählstränge sind gut ausgearbeitet, es ist durchgehend spannend, es wird an der Agatha Christie Maxime „der Leser darf nicht mehr wissen als der Ermittler“ festgehalten, ich mag das. Die Nebenhandlungen gefallen mir und die Charaktere sind gut dargestellt. Mit dem durchgängigen Darstellung in der Gegenwart, wird mit Bedacht eine Erzählperspektive eingenommen, die noch näher an der Heldin ist und das ist meiner Meinung nach, dass einzige Manko. Die Nähe des Autors zur Protagonistin Lea, einer Heldin, deren jüngeres, verhaltensauffälliges Ego er einst für Jugendbücher erschaffen hat und zu der ihm im nettesten Sinne etwas der emotionale Abstand fehlt.

Dieses Erbe in Form von ständigen, ausufernden, Introspektionen (oft über 1-2 Seiten) stören mich. Um meine Kritik zu präzisieren, diese Passagen wirken auf mich wie eine sozialpädagogische Entwicklungsstudie des stolzen Erschaffers der Figur, also des Autors, der dem Leser über die Erzählerstimme mitteilen möchte, wie gut sich „seine Kleine“ doch gemacht hat, wie aus der destruktiven Rabaukin mit der nötigen empathischen und professionellen Unterstützung eine selbstreflektierende, einfühlsame, junge Erwachsene geworden ist.

Ich hoffe also für den nächsten Krimi mit der Ermittlerin Lea Martens, dass es ihm, wie jedem guten, verantwortungsvollen Vater gelingt, seine Kleine loszulassen und auf ihre Stärke zu vertrauen. Ich tue das und freue mich auf sie.

Ich danke dem Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

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