Today is Bloomsday…

nicht weil die Blümchen heute so schön blühen würden.

Jedes Jahr am 16. Juni 2016 feiert man in Irland diesen Gedenktag, der an den Protagonisten Leopold Blundoom aus James Joyce Hauptwerk „Ulysees“ erinnert. Ein Gedenktag für eine Romanfigur, das ist wirklich bibliophil!

Ähnlich wie der St Patrik’s Day ist der Bloomsday zwar kein gesetzlicher Feiertag, aber doch in jedem englischsprachigen Kalender verzeichnet. In Dublin wird er durch geführte Literaturtouren auf den Spuren des Romanhelden oder in ganz Irland durch das Singen, der im Roman genannten irischen Volkslieder gefeiert.

Der irische Schriftsteller James Joyce  (1882-1941) veröffentlichte mit Ulysses einen der unkonventionellsten Romane aller Zeiten; er gilt bis heute als der moderne Roman schlechthin.

Die Handlung könnte nicht unspektakulärer sein: ein Tag, der 16. Juni 1904, im Leben zweier Menschen in Dublin. In der „größten Schöpfung unter den Romanen des 20. Jahrhunderts“ (New York Times) kann der Leser auf fast 1000 Seiten die 20-stündige detailreich nachgezeichnete Odysee durch den Großstadtdschungel von Leopold Bloom, ein betrogener Ehemann, gesellschaftlicher Außenseiter und Gedenktagsnamensgeber, und dem vaterlosen Stephen Dedalus folgen.

So besonders und geradezu literarisch revolutionär ist dieser Roman aufgrund der Fülle seiner literarischen Stilformen und sprachlichen Verfremdungen: Es gibt Passagen, in denen der Leser die englische Sprachentwicklung vom Altenglischen zum modernen Englisch vorgeführt wird, es gibt reine Dialogkapitel und Joyce wartet auf mit endlosen Aneinandereihungen von Slangworten, die auch schon dem eifrigen zeitgenössischem Erstleser  vor 94 Jahren unverständlich waren. Hinzu kommt die Technik des Bewusstseinsstroms, der sog. „Stream of Consciousness“, wurde von Joyce dermaßen perfektioniert, das man meint im „Auge des Gedankenvulkans“ der Romanhelden hin- und her geworfen zu werden.

Der große Publikumserfolg war dieser schweren Kost verständlicherweise verwehrt. Doch auch für den geübten, literarisch gebildeten Leser ist der Roman eine Herausforderung, an der schon viele nach wenigen Seiten verzweifelt sind, so dass er lediglich als sichtbares Indiz für die Intellektualität des Haushalts dekorativ, recht exponiert im Bücherregal ausgestellt wird.

 

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