Jauche und Levkojen in Mechnitz…

Klappentext:
Wenn du alles zu verlieren drohst, entdeckst du ungeahnte Kräfte in dir … „Schneetänzerin“ von Judith Nicolai jetzt als eBook bei dotbooks. Es hätte die schönste Zeit ihres Lebens sein können: Friedlich wachsen die junge Anna und ihre Freundin Helene auf dem abgeschiedenen ostpreußischen Gut Mechnitz auf. Doch dann wird ihr kleines Paradies bedroht: Adam, Annas große Liebe, meldet sich freiwillig für die Front und Helene stürzt sich in eine gefährliche Liebe zu dem Kriegsgefangenen Robert – obwohl ein machthungriger SS-Offizier Ansprüche auf sie erhebt. Und während die Ostfront mitsamt Hunger und Tod immer näher rückt, müssen Anna und Helene um ihr Glück und ihre Zukunft kämpfen. Die Saga beginnt: Ein bewegender Roman über die Kraft von Freundschaft und Liebe in Zeiten voller Schrecken und Dunkelheit. 
Die Schneekönigin als erster Teil einer Trilogie über das untergegangene Ostpreußen mit seinen adeligen Gutsbesitzern und ihren riesigen Ländereien, der Kornkammer Deutschlands, aus der Perspektive einer jungen Frau erzählt,  lässt mich an die  deutsche Schriftstellerin Christine Brückner (1921 – 1996) und ihren sehr erfolgreichen Romanzyklus über das Schicksal der Landadeligen Maximiliane von Quindt denken. Deren Kindheit und Jugend auf dem Gut Poenichen in Hinterpommern und die persönlichen und gesellschaftlichen Veränderungen wie Krieg, Vertreibung und Wiederaufbau beschreibt Brückner in den drei später sogar verfilmten Bänden: Jauche und Levkojen, 1976, Nirgendwo ist Poenichen, 1978 und 1985 Die Quindts. Neben den auch damals schon aktuellen Themen Heimat und Flucht hat auch ihr besonderer Schreibstil zum Erfolg beigetragen.
Judith Nicolais Protagonistin Anna verbringt eine unbeschwerte Kindheit und Jugend auf dem ostpreußischen Gut, dass ihr Vater verwaltet. Selbst der Krieg kann lange Zeit dieses Idyll am östlichsten Rand des Reiches nicht wirklich trüben, zu fern sind die Wochenschaubilder und telefonischen Kriegsberichte ihrer Tanten und Großmutter aus Bremen als das, dass ihren von den Jahreszeiten und Tieren bestimmten Tagesablauf berühren könnte. Anna liebt das fruchtbare Land, ihre körperlich anstrengende Arbeit auf dem Gut, die Tiere, die Menschen in ihrem kleinen Universum, ganz besonders ihre Dorfschulfreundin Helene und Adam, den ritterliche Held ihrer Kindheit. Bis 1944 der Krieg auch Ostpreußen erreicht, die Durchhalteparolen immer mehr als solche durchschaut werden und Anna erwachsen werden muss.
Die Autorin überzeugt durch wunderschöne Landschaftsbeschreibungen, die die viel beschworene Schönheit dieser Region einfängt, lässt die Leser an Annas Alltag als Landarbeiterin auf dem Gut erleben, sie an ihren kleinen und großen Sorgen und Nöten teilnehmen und fügt dem eine romantische Liebesgeschichte hinzu.
Aber die Figuren sind leider etwas platt gezeichnet: die burschikose Frau zum Pferde stehlen, das blonde Luder, der anständige Kerl, die charmanten französischen Zwangsarbeiter, der dümmliche Gernegroß von einem Dorf-Nazi und natürlich der väterlich strenge Gutsverwalter. Mir sind das ein paar Stereotype zu viel, mir mangelt es an Figurenentwicklung, die man am veränderten Verhalten ablesen kann, die nicht von der Erzählerstimme konstantiert wird.
Wer darauf aber auch mal verzichten kann, wer nur eine leichte und beschwingte Nachmittagslektüre sucht, der ist mit der Schneekönigin kurzweilig unterhalten.
Judith Nikolai, Die Schneetänzerin, dotbooks

 

Ich danke dem Verlag dotbooks für das Rezensionsexemplar

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