Der papierene Beweis zu süß ist auch nicht lustig…

Ich bin kein Schokoladenmädchen. Ich mag gar keine Schokolade, weder die Milchige in lila Papier für den Jedermanngeschmack, noch die gesundheitsförderliche Hochprozentige. Ich habe kaum kulinarische No-goes, aber bei Schokolade geht bei mir gar nichts. Selbst ein Kakaoplantagenbesuch in Mexiko konnte meine Geschmacksknospen keines besseren belehren.

Vielleicht war deshalb die Chance, dass das e-book von Kathryn Berlinger und ich Freunde werden von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Dann läge es ja an mir, der Leserin, die zu einem historischen Roman mit einem Rohstoff im Titel greift, der sie einfach kalt lässt?! Ich würde gerne sagen, so war es, muss aber gestehen, so einfach lässt es sich dann doch nicht erklären.

Ich habe mich nämlich regelrecht darum gerissen diesen historischen Roman zu lesen.

Warum?

Ich habe eine besondere Vorliebe für die Erzählzeit, Mitte bis Ende des 19. Jahrhundert, zu den Erzählorten habe ich eine persönliche Beziehung und als Foodbloggerin, wenn auch ohne Backfee-Attitude, war ich gespannt auf den handwerklichen Part des Confisserie-Teils.

Im besten Fall wäre „Das Schokoladenmädchen“ also gutes Infotainment.

Und worum handelt es sich dabei?

Um die Geschichte einer jungen Frau, die als Kind mit ihrer Familie mit letzter Kraft das Elend des Hamburger Gängeviertels hinter sich gelassen hat, um wie so viele Auswanderer in Valparaiso ihr Glück zu suchen. Als das Tal sich als nicht ganz so paradiesisch wie erträumt erweist und auch noch der Vater verschwindet, machen sich Mutter und Tochter eingepfercht wie Stückgut im Zwischendeck eines Dampfschiffs auf zurück in die Heimat. Das Schiff kentert und die 18 jährige Tochter Madeleine Elisabeth Gürtler wird mit anderen Reisenden in der Bretagne an Land gespült und lernt dort nicht nur ihren späteren Mäzen und Mentor, den Schweizer Self-made-man und Konditor Urs Martieli kennen, sondern erfährt auch erstmals von den kulinarischen Finessen die Nahrungsaufnahme auch sein kann. Der Schweizer Lebemann ist wie alle Männer, die ihren Weg kreuzen werden, von ihrer Schönheit geblendet, und bietet ihr eine Ausbildung in seiner Backstube im noblen Hamburg Eppendorf an. Schnell verinnerlicht sie nicht nur Urs Lebensphilosophie, dass nichts Süßes ohne Saures existieren kann, sondern saugt auch begierig das Wissen des Hamburger Konditoreileiters über Butter, Vanille und Schokolade auf. Schon bald überflügelt die gelehrige Schülerin ihren Meister. Deshalb folgt sie Martieli nach Riga, wo er in der bald 700 Jahre alten Stadt, bewohnt vor allem von in Konkurrenz verbundenen Letten, Deutschen und Russen, eine weitere Konditorei seinem Zuckerwerkimperium hinzufügen will. Schon bald erweist sich Madeleine auch so weit im Osten des Kontinents als wahrlich kreative Konditorin, erfolgreiche Marketingexpertin und clevere Aktienspekulantin. Als sie dann auch noch mit dem ungarischen  Grafen Andras die Liebe ihres Lebens kennenlernt, scheint sie ihren Platz im Leben und der Gesellschaft gefunden zu haben.

Was war denn nun mein Problem mit dem  Roman?

Die Aufbereitung des historischen Hintergrund?  Spannungsboden zu flach? Klischeehafte Beziehungen? Stereotype Figuren? Furchtbarer Erzählstil?

Irgendwie von allem etwas! Das ganze wirkte als hätte es dieser nervige erste Reihe Streber aus der Geschichtsstunde mit dem übermotiviert wedelnden Arm geschrieben. Der zwanghaft jede aber auch jede auswendig gelernte Begebenheit zwischen die Romanseiten quetschen musste. Der vielversprechende Plot zog sich spätestens nach dem ersten Drittel wie Huba Buba Kaugummi unterm Lieblingsschuh. Die Figuren in ihrer Eindimensionalität hätten auch den Grimm’schen Märchen entsprungen sein können und dazu eine Erzählerstimme so laut, dass ihr Geschrei einem H.J. Baxter Konkurrenz machen könnte.

Das mit einem historischer Roman eher selten das Hohelied der Literatur gesungen wird, ist mir schon klar, vielleicht ist mein besonders harsches Urteil meiner Enttäuschung geschuldet.

 

 

Ich danke dotbooks für das Rezensionsexemplar.

 

Das Schokoladenmädchen, Kathryn Berlinger, dotbooks

 

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