Der mit dem Wolf im Schafspelz kämpft..

Mit Des Teufels Mörder legt Bastian Ludwig seinen Debutroman vor, der vom Gmeiner Verlag zwar als Historischer Thriller geführt wird, meiner Meinung nach aber eher eine, wenn auch ungewöhnliche, Mischung aus angesagtem Regionalkrimi und im besten Sinne altmodischer Detektivgeschichte des 19. Jahrhundert ist. In einer solchen wird durch Indizien, Psychologie, Kombinatorik, Intuition und logischer Schlussfolgerung ein Fall von einem oft charismatischen Ermittler gelöst.

Der junge Ermittler Everd Edinger, für den im Jahr 1863 seine Heimatstadt Frankfurt am Main durch seine Gutgläubigkeit beruflich gerade verbrannte Erde darstellt, wird von seiner alten Freundin Isabella Fanning trickreich aus der Stadt gelockt, um mit seinem detektivischen Fachwissen bei der Auffindung von Jakob Rothenberger zu unterstützen.

Jakob, der Knecht des Bürgermeisters von Solkers, einem eigentlich beschaulichem Dorf in der Rhön, ist von der Jagd nach einem ungewöhnlich großen Wolf, der in der waldreichen Umgebung des Ortes gesichtet wurde, nach nun über zwei Wochen nicht zurückgekehrt.

Trotz ausgiebiger Suchaktionen unter der Ägide des Bürgermeisters Wilkers und des Dorfpolizisten wartet seine Ehefrau, die Magd Aga noch immer auf ein Lebenszeichen von ihm. Da Isabella ihrer Freundin helfen will, zieht sie eigenmächtig Everd hinzu, brüskiert damit zwar die Stadtoberen, sorgt aber auch dafür, dass der Fall noch nicht ad acta gelegt wird. Gemeinsam machen sie sich an die Arbeit und kommen der Wahrheit hinter dem Verschwinden immer näher.

Die beiden Hauptfiguren des historischen Romans, Everd und Isabella, werden als sympathische Vertreter der Aufklärung dargestellt, die im Gegensatz zu manchem Dorfbewohner wenig übrig haben für obskure Schauergeschichten, sondern naturwissenschaftliche Erklärungen für die Vorkommnisse suchen, bleiben aber leider als Personen etwas blass. Die auffällig hohe Anzahl an Nebenfiguren mag den ein oder anderen Leser in Verwirrung stürzen, ein Personenregister, könnte dies verhindern. Ich fand nicht unbedingt die Menge störend, sondern, dass einzelne mit Namen, Beruf und Verwandtschaftsverhältnis eingeführt wurden, obwohl dies für den Plot unwesentlich war.

Die Rhön im 19. Jahrhundert, ein wild romantisches, deutsches Mittelgebirge mit seinen Wäldern und Basaltformationen, Heimat des Autors, bildet einen wunderschön bebilderten Handlungsort.

Der historische Teil des Labels „historischer Thriller“ hat mir gefallen, mir  fehlte aber ein wenig der „Thrill“, das Mitreißende. Wenn der Stoff mitriss, er eine unerwartete Wendung für den Leser nahm, dann trat dieser im Handlungsverlauf aber meist erst mal wieder behäbig lauschend auf der Stelle, während er mit oft langatmigen Informationen durch eine oft neueingeführte Figur versorgt wurde. Das ist kontraproduktiv, wenn man Tempo erzeugen möchte.

Ich wünsche mir vielleicht das ein oder andere Mal etwas mehr Mut, den Leser „unaufgeklärt“ durch die Handlung zu schubsen, statt des „Frontalunterrichts“ und wenn diese erzählerischen Kinderkrankheiten behoben sind, werde ich den nächsten „historischen Regionalkrimi“ noch lieber lesen.

 

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

Des Teufels Mörder, Bastian Ludwig, Gmeiner Verlag

 

 

 

 

 

 

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