Leider langweilig

In dem 1994 erstmals erschienen Roman „Land Girls“ von Angela Huth, einer bekannten britischen Journalistin, Kritikerin und Filmemacherin, der 1998 von Hollywood verfilmt und im März 2017 auf Deutsch vom Piper Verlag erneut aufgelegt wurde, geht es um jene bis heute offiziell nicht anerkannte Gruppe von etwa 27.000 noch lebender Mitglieder der Women’s Land Army (WLA). Jene jungen Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs nach kurzer Ausbildung die eingezogenen Landarbeiter für einen kleinen Obolus gegen Kost und Logis ersetzten. Ein Thema, das es wert wäre erzählt zu werden.

 

Klappentext:

Drei sehr unterschiedliche junge Frauen aus der Großstadt kommen im Kriegsjahr 1941 auf eine abgelegene Farm in England, um Volk und Vaterland zu dienen. Die unternehmungslustige Prue, die in puncto Männer nichts anbrennen läßt, die ernste Studentin Agatha und die verträumte Stella. Doch der Umgang mit Hühnern, Melkeimer und Mistgabel will gelernt sein. Dabei sorgen amouröse Verwirrungen um den attraktiven Joe für Spannungen, für Liebe und für Leidenschaft zwischen Kornfeldern und Kuhställen.

 

Wie der Klappentext schon vermuten lässt, geht es Huth weniger darum diesen Frauen und ihren Leistungen nun endlich, wenn auch fiktionalisiert, eine Stimme zu geben, sondern für sie ist historische Authentizität nur ein unscharfes Bühnenbild für ihre Geschichte. Der Weltkrieg nur ein sehr leises Hintergrundgrollen, wie die deutschen Kriegsflugzeuge, die Südengland nur überfliegen, um das ferne London zu bombardieren.

Die Charaktere, eher Abziehbilder, da ist der grummelige, hartarbeitende Farmer & seine, schmallippige, noch härter arbeitende Frau. Beide natürlich gute Menschen. Dann gibt es den wegen seines Asthmaleidens kriegsuntüchtigen Sohn, Joe, der aber nicht zu schwach für die körperliche Anstrengungen auf dem Hof ist und vor allem viril genug für nächtlicher „Stelldicheine“ mit dem weiblichen Hilfsarbeiterinnen auf dem heimischen Heuboden. Des Weiteren gehört zum Personal ein älterer, wortkarger Vorarbeiter mit einer Schreckschraube von Frau verehelicht und ein Meister des Erduldens.

Zu dieser eingeschworenen Gemeinschaft kommen nun die drei fremden, sehr unterschiedlichen, jungen Frauen hinzu. Da ist Ag, die Kurzform von Agapanthus, logisch, dass ihr die Rolle der kurzhaarigen Intellektuellen mit Elite-Unizugang zukommt. Dann ist da Prue, Prudence, die „Friseuse“, mit stets getuschten Wimpern und zu viel Revlon Lippenstift und Rouge im Gesicht, deren Handlungsauftritte nie ohne das Adjektiv „nymphomanisch“ vor oder hinter ihrem Namen auskommt. Und als dritte gibt es da noch Stella, die den Farmer höchst selbst wenigstens in Gedanken wieder jung werden lässt. Die unglücklich Schmachtende, sich nach ihrem schreibfaulen und unromantische Verlobter Philip verzehrende Kriegsbraut, der seinen Dienst am Vaterland im Ärmelkanal versieht.

Dazu phantasielose Beschreibungen von Strickpullis passend zu Haarbändern und irritierende Jungenzimmer-Wanddekorationen beim Koitus über sich auflösenden Bettüberwürfen, romantisch wabernder Nebel, der sich des Abend auf frisch gepflügte Äcker legt, oder blökender Schafumtrieb begleitet von fröhlich springenden Hütehunden, aber trotz all der Anstrengung ein Stimmungsbild zu entwerfen, wirkte das ganze auf mich leblos, wie der prachtvoll röhrende Hirsch über Omas Sofa.

 

Angela Huth: Brombeertage. Piper Verlag. 2017. ISBN 978-3-492-50012-8

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