Zu nah am Klischee, zu nah am Kitsch..

Der weibliche Detective der irischen Kriminalpolizei für Gewaltverbrechen, Frankie Sheehan, kehrt nach einer verletzungsbedingten Auszeit in ihre Abteilung zurück. Körperlich wiederhergestellt wird sie aber noch fast täglich von Panikattacken und Flashbacks des traumatischen Erlebnisses, das sie fast  ihr Leben gekostet hätte, heimgesucht, Ihr Vorgesetzter übergibt ihr und ihrem Kollegen Baz trotzdem den Fall, der erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden Mikrobiologin und Universitätsprofessorin Eleanor Castello. Relativ schnell verdichten sich die Beweise, dass es sich dabei um einen Mord handelt.

Das Team um die angeschlagene Protagonistin nimmt die Ermittlungen auf, neue Mordopfer kommen hinzu, die alle irgendwie im Zusammenhang standen, Verdächtige kommen und gehen, während der dreimonatigen Ermittlung, die in einem vorhersehbaren Show-down münden.

Die Autorin wählt die Ich-Perspektive der angeschlagenen Frankie für ihre Geschichte, die für eine größeren emotionalen Nähe zwischen Leser und Heldin sorgen soll. Der Plot verbindet die aktuellen Mordermittlungen mit Frankies furchtbaren Erlebnissen beim Rettungsversuch einer jungen Frau und der nun beginnenden Gerichtsverhandlung, bei der sie als einzige, überlebende Zeugin geladen ist. Die Figurenzeichnung der Hauptfigur wirkt bemüht, die der Nebenfiguren wie z.B. Baz oder ihres Chefs reichen nicht über ihre Trinkgewohnheiten hinaus, wobei es selbst da noch zu Fehler kommt, und da die Charakterisierungen der Opfer, weitestgehend die Interpretation von Indizien durch die  Ermittlerin sind, war mir das alles zu flach, zu eindimensional.

Das Setting in Dublin und Umgebung ist auch zu vernachlässigen, den kalt und regnerisch zwischen Oktober und Dezember ist es sicherlich auch in anderen Ecken der Welt. Und Pubbesuche, während der Café oder Bier getrunken wird, oder Hinweise auf die Wirtschaftskrise, die gerade auch die junge, gut ausgebildete Generation getroffen hat, machen Irland als Handlungsort nicht zwingend, aber why not?!.

Die sprachllchen Stilblüten wie folgende: „Du begrüßt mich mit einem harten Kuss..“, „Ein erregender Schauer flüstert am Rand meines Atems…“, „Die Haustür steht offen zur Dunkelheit des Herbstabends“ hingegen plus die ausgespochen klischeehafte Motivlage haben mich mordlüstern werden lassen.

 

 

Olivia Kiernan: Zu nah . Harper Collins Verlag

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s